Mit Kindern wachsen Achtsamkeit und Dialog
Benedikt Hommel

Achtsamkeit

Achtsamkeitspraxis, in dem Sinne, wie ich sie gebrauche, meint die bewusste Konzentration der Aufmerksamkeit auf das „Hier und Jetzt“, auf meine aktuellen Gefühle und Gedanken, ohne diese zu beurteilen oder verändern zu wollen. Es meint in Kontakt zu kommen mit sich selbst. Die Konzentration auf den Atem ist dabei ein hilfreicher Anker, auf den hin ich mich immer wieder orientieren kann.

Ich öffne mich dabei einer inneren Haltung zu mir und anderen. Sie ist ähnlich der Art, wie kleine Kinder die Welt betrachten:

-      unvoreingenommen, offen

-      in der Haltung eines Lernenden

-      mit einem „Anfängergeist“

-      wohlwollend

-      akzeptierend, nicht urteilend, nicht wertend

  

Achtsamkeit ist grundsätzlich überall möglich. Sie ist absichtslos, verfolgt kein Ziel, grenzt nicht aus. Sie beobachtet, weil etwas da ist, nicht damit es vorüber geht. So kann Veränderung häufig dann geschehen, wenn wir aufgehört haben, etwas mit allen Mitteln verändern zu wollen.

Vielleicht wird mir aber auch deutlich, dass ich, wie Jon Kabat-Zinn sagt, die Wellen des Meeres nicht anhalten kann, aber lernen möchte, auf ihnen zu surfen.


Die Übung von Achtsamkeit beginnt damit, mit allem Tun innezuhalten. Für einen kleinen Moment vom „Tun-Modus“ in den „Seins-Modus“ zu wechseln. Vielleicht kann ich für einen Moment mein Gehirn „auf Leerlauf“ stellen? Vielleicht kann ich wahrnehmen, dass es einen kleinen Zeit-Raum geben kann, zwischen dem Verhalten meiner Kinder und meiner eigenen Reaktion? Vielleicht bemerke ich, dass ich nicht immer und zwangsläufig den eingefahrenen Mustern folgen muss? Vielleicht können so Geduld und Herzensgüte, gegenüber mir und meinen mir Anvertrauten wachsen? 

Achtsamkeitspraxis lehrt, jeden Tag wieder mit einem „Anfängergeist“ neu zu beginnen, sich selbst und die Kinder nicht zu verurteilen, offen zu sein für das, was ist: Sei es die Alltagsroutine oder sei es, dass sich etwas anders entwickelt, als erwartet.