Mit Kindern wachsen Achtsamkeit und Dialog
Benedikt Hommel

 Was für ein Vater will ich sein?

Traditionell gilt die Beziehung zu den Kindern als Sache der Mutter. Immer mehr Männer suchen aber ihre Rolle als Vater zu entwickeln. Das zeigt sich bei näherer Betrachtung und im Austausch mit Vätern als ein sehr schweres Unterfangen:

Durch die Geburt des ersten Kindes geraten Väter oft in die Rolle des Alleinernährers. Waren vordem beide Partner erwerbstätig, fällt dieses jetzt wieder den Männern zu. Im Betrieb ist es gerade noch akzeptiert, zwei Vätermonate Elternzeit zu nehmen und dann wieder die Verantwortung als Ernährer zu übernehmen. Über die Belastung, alleine finanziell verantwortlich für die Familie zu sein, wird nicht gesprochen - es ist selbstverständlich.

Wollen Väter sich länger um ihre Kinder kümmern und eine engere Beziehung zu ihren  Kindern aufbauen, zeigen sich weitere Hürden: Dass der Vater in die volle Elternzeit gehen möchte, ist ungewöhnlich und wird für den Mann, noch weniger toleriert, als für die Frau. Wie aber, so fragen sich immer mehr Männer, kann ich mich um meine Kinder kümmern, wenn ich beruflich erst spät abends nach Hause komme - oder mich berufliche Verpflichtungen erst am Wochenende zu meinen Kindern lassen? Mancher Vater zweifelt, wie er Kontakt zu seinen Kindern aufbauen kann, wenn er ihre Bedürfnisse tagsüber oder in der Woche nicht mitbekommt. Vaterschaft bewusst zu leben wird so zu einem Drahtseilakt.

Trotzdem stellen sich immer mehr Väter die Frage: „Was für ein Vater will ich sein?“ Auch hier finden Männer nur schwer Antworten. Die männlichen Vorbilder, sind vor dem Hintergrund von nicht präsenten Vätern in der eigenen Kindheit, nicht vorhanden. Oder sie sind mit Distanz schaffenden Erfahrungen gefüllt, die die heutigen Väter nicht an ihre eigenen Kinder weitergeben möchten. Wie aber, kann ein positives, zugewandtes und liebevolles Vaterbild entwickelt werden, wenn dieses nicht selbst erlebt wurde?